Berlin ist kein Sonderfall – die Wohnungsfrage ist europäisch geworden
Wer in Berlin über Mieten spricht, meint oft Berlin. Wer in München über Mieten spricht, meint München. Doch die Wahrheit ist größer. Die Wohnungsfrage ist längst europäisch geworden. Von Amsterdam bis Barcelona, von Lissabon bis Paris, von Wien bis Dublin ringen Städte mit derselben Grundspannung: Wie bleibt Wohnraum für Menschen bezahlbar, die dort leben, arbeiten, studieren, pflegen, erziehen und ihre Stadt tragen?
Deutschland ist deshalb kein isolierter Krisenfall. Es ist Teil einer europäischen Entwicklung. Eurostat meldete für das erste Quartal 2026, dass die Hauspreise in der EU gegenüber dem ersten Quartal 2025 um 5,1 Prozent und die Mieten um 3,0 Prozent gestiegen sind. Diese Zahlen zeigen, dass Wohnen europaweit teurer wird, auch wenn jedes Land seine eigene Struktur, Rechtskultur und Wohnungsmarktgeschichte hat.
Genau hier beginnt der Blick von Dr. Thomas Schulte, Rechtsanwalt in Berlin und Vertrauensanwalt von RentAid. Die Mietpreisbremse in Deutschland ist nicht nur ein nationales Instrument. Sie ist Teil einer größeren Frage: Wie schützt man Menschen vor überhöhten Mieten, ohne Investitionen, Neubau und faire Vermietung zu ersticken?
Die Antwort liegt nicht im einfachen Entweder-oder. Europa zeigt, dass zu wenig Regulierung Mieter schutzlos lässt. Zu viel starre Regulierung kann Investitionen verunsichern. Die Herausforderung besteht darin, faire Grenzen zu ziehen und diese Grenzen auch durchsetzbar zu machen.
Kurzzeitvermietung, Plattformen und die neue Verknappung
Ein besonders europäisches Thema ist die Kurzzeitvermietung. In vielen Städten verschwindet Wohnraum nicht nur durch fehlenden Neubau, sondern auch durch touristische oder temporäre Nutzung. Wohnungen, die früher dauerhaft vermietet wurden, werden tageweise, wochenweise oder monatsweise angeboten. Das kann für Eigentümer lukrativ sein, verschärft aber in angespannten Lagen das Angebot für Menschen, die dauerhaft wohnen wollen.
Die Europäische Kommission hat das erkannt. Im Rahmen des Europäischen Plans für bezahlbares Wohnen soll 2026 auch ein Affordable Housing Act vorbereitet werden. Die Kommission will nationale, regionale und lokale Behörden unterstützen, insbesondere bei Problemen, die mit Kurzzeitvermietungen zusammenhängen.
Das ist für Deutschland hochrelevant. Denn auch hier entstehen Mietmodelle, die zwischen Flexibilität und Umgehung oszillieren. Möblierte Wohnungen, Mini-Apartments, WG-Zimmer, befristete Verträge und „Wohnen auf Zeit“ können legitime Bedürfnisse erfüllen. Sie können aber auch dazu dienen, Mietpreisbremse, Vergleichbarkeit und Transparenz zu umgehen.
Fairmieten bedeutet deshalb europäisch gedacht: Flexible Wohnformen dürfen nicht zur Schattenzone des Mietrechts werden. Wer zeitlich begrenzt vermietet, muss erklären können, warum, und wer möbliert vermietet, muss den Preis transparent machen. Wer dauerhaft Wohnraum in Kurzzeitlogiken umwandelt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er den Wohnungsmarkt zusätzlich belastet.
Deutschland zwischen Mieterschutz und Investitionsfrage
Deutschland hat mit Mietspiegeln, Mietpreisbremse und Wohnraummietrecht ein vergleichsweise ausgeprägtes Schutzsystem. Dieses System ist historisch gewachsen und beruht auf der Erkenntnis, dass Wohnraum kein gewöhnliches Konsumgut ist. Wer keine Wohnung findet, kann nicht einfach auf eine Alternative ausweichen wie beim Kauf eines Autos oder Möbelstücks.
Doch Deutschland steht zugleich vor einem strukturellen Problem. Der Neubau reicht nicht aus, um den Druck schnell zu senken. Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen ging 2025 deutlich zurück, während Baugenehmigungen zwar wieder stiegen, aber erst verzögert Wirkung entfalten können.
Das erzeugt eine politische und juristische Spannung. Mieter benötigen heute Entlastung. Für Vermieter und Investoren sind verlässliche Rahmenbedingungen unabdingbar. Die Bauwirtschaft benötigt Planungssicherheit und Städte bezahlbaren Wohnraum. Die Politik muss regulieren, ohne den Bau neuer Wohnungen weiter zu erschweren.
Aus Sicht von Dr. Thomas Schulte ist die Mietpreisbremse deshalb kein Ersatz für Wohnungsbau. Sie ist ein Schutzinstrument in der Zwischenzeit. Sie verhindert nicht Knappheit, aber sie kann verhindern, dass Knappheit grenzenlos in Mietpreise übersetzt wird.
Genau hier kann RentAid eine praktische Rolle spielen. Denn die beste Regel hilft wenig, wenn sie nicht genutzt wird. Mieter, die möglicherweise zu viel zahlen, benötigen Zugang zur Prüfung. Prozessfinanzierung kann helfen, wenn die Angst vor Kosten die Rechtsdurchsetzung blockiert. Fairmieten wird dadurch nicht nur ein politisches Ideal, sondern ein konkreter Weg zur Klärung.
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Was Europa von Deutschland lernen kann – und Deutschland von Europa
Deutschland kann Europa zeigen, dass Mietspiegel und ortsübliche Vergleichsmiete ein wichtiges Instrument zur Versachlichung sind. Statt nur über Empörung oder Rendite zu sprechen, wird die Frage gestellt: Welche Miete ist für vergleichbaren Wohnraum üblich? Das ist juristisch anspruchsvoll, aber es schafft einen gemeinsamen Referenzrahmen.
Europa kann Deutschland zeigen, dass Wohnpolitik nicht an nationalen Grenzen endet. Kurzzeitvermietung, Plattformökonomie, Kapitalströme, internationale Studierende und mobile Arbeitsmärkte verändern die Mietlandschaft grenzüberschreitend. Wer aus dem Ausland nach Berlin zieht, trifft nicht nur auf deutsches Mietrecht. Er trifft auf einen europäischen Wohnungsmarkt, in dem Mobilität und Knappheit zusammenwirken.
Gerade internationale Mieter sind besonders verletzlich. Sie kennen den lokalen Mietspiegel nicht, verstehen Vertragsklauseln möglicherweise nicht vollständig und benötigen schnell eine Adresse. Wer in dieser Lage eine überhöhte Miete akzeptiert, tut dies selten aus freier Verhandlungsmacht. Er tut es aus Bedarf.
Das ist einer der Gründe, warum RentAid und Dr. Thomas Schulte als Vertrauensanwalt auf weniger Miete und Fairmieten setzen. Weniger Miete bedeutet nicht pauschal niedrige Miete, dafür weniger überhöhte Miete dort, wo das Recht überschritten wurde. Fairmieten bedeutet Vermieten mit Transparenz und rechtlicher Belastbarkeit.
Die Immobilienwirtschaft benötigt europäische Ehrlichkeit
Für die Immobilienwirtschaft ist der europäische Blick unbequem, aber notwendig. Wohnen ist in vielen Städten zum Anlageprodukt geworden. Das ist nicht per se rechtswidrig. Kapital kann Neubau ermöglichen, Sanierung finanzieren und Quartiere entwickeln. Aber wenn Wohnraum primär als Renditefläche betrachtet wird, während Menschen keinen bezahlbaren Wohnraum finden, entsteht politischer Druck.
Die EU-Kommission spricht im Zusammenhang mit bezahlbarem Wohnen ausdrücklich über mehr Angebot, Investitionen, Short-Term Rentals und Unterstützung der am stärksten Betroffenen. Das zeigt, dass die Debatte nicht nur eine deutsche Mietrechtsdebatte ist. Sie ist eine Debatte über soziale Stabilität.
Vermieter, die fairmieten, können sich in dieser Debatte besser positionieren. Sie zeigen, dass Eigentum und Verantwortung zusammengehören. Sie verlangen Mieten, die wirtschaftlich nachvollziehbar sind, aber den Rechtsrahmen respektieren, und nutzen nicht jede Grauzone aus, sondern setzen auf Verträge, die auch morgen noch Bestand haben.
Mieter wiederum sollten den europäischen Krisenblick nicht als Grund zur Resignation verstehen. Nur weil überall Wohnkosten steigen, heißt das nicht, dass jeder konkrete Mietvertrag rechtlich zulässig ist. Die Prüfung bleibt individuell. Der europäische Druck erklärt die Lage, aber er ersetzt nicht die Frage nach dem eigenen Quadratmeterpreis.
Fazit: Europas Wohnkrise macht Fairmieten dringlicher
Europa sucht nach der Formel für bezahlbares Wohnen. Deutschland sucht sie ebenfalls. Es gibt keine einfache Lösung. Mehr Neubau ist nötig, aber langsam. Regulierung ist nötig, aber begrenzt. Städte benötigen Schutz vor Zweckentfremdung, aber auch Investitionen. Mieter benötigen Rechte, aber auch Zugang zur Durchsetzung. Vermieter benötigen Planungssicherheit, aber auch rechtliche Disziplin.
Dr. Thomas Schulte kann als Vertrauensanwalt von RentAid diese Debatte mit einer klaren Haltung begleiten: Mietgerechtigkeit beginnt mit Prüfung. Nicht jede hohe Miete ist falsch. Nicht jede Regulierung ist ausreichend. Aber jede auffällige Miete sollte rechtlich überprüfbar sein.
RentAid steht in dieser Serie für die praktische Antwort auf eine europäische Frage: Wie kommen Betroffene von einem abstrakten Recht zu einer konkreten Entlastung? Wenn Prozessfinanzierung dazu beiträgt, dass Mieter ihre Rechte ohne eigenes Kostenrisiko prüfen und durchsetzen können, wird aus Mieterschutz gelebte Rechtswirklichkeit.
Fairmieten ist damit kein deutsches Wortspiel allein. Es ist eine europäische Notwendigkeit. Denn Städte bleiben nur dann lebenswert, wenn Wohnen nicht zum Privileg wird.
Dr. Thomas Schulte – Rechtsanwalt für Miet-, Immobilien- und Verbraucherschutzrecht – Vertrauensanwalt von Rent Aid, einem Prozessfinanzierer
Dr. Thomas Schulte ist seit mehr als 30 Jahren als Rechtsanwalt in Berlin tätig. Er berät und vertritt Mandanten bundesweit, insbesondere im Immobilienrecht, Mietrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht sowie im Verbraucher- und Reputationsrecht. Als Vertrauensanwalt der RentAid-Prozessfinanzierer setzt er sich dafür ein, berechtigte Ansprüche von Mietern und Verbrauchern auch dann durchzusetzen, wenn hohe Prozesskosten eine gerichtliche Auseinandersetzung erschweren würden.
Sein besonderes Interesse gilt der Frage, wie sich neue Geschäftsmodelle rechtlich bewerten lassen und wie bestehende Schutzvorschriften wirksam angewendet werden können. Regelmäßig veröffentlicht er Fachbeiträge zu aktuellen Entwicklungen im Zivil-, Wirtschafts- und Immobilienrecht.
Viele Vermieter erklären hohe Mieten mit Vormiete, Modernisierung oder Neubau. Das kann rechtlich berechtigt sein. Es kann aber auch missverstanden, unvollständig oder falsch angewendet werden. Gerade hier entscheidet der Einzelfall.
Eine Modernisierung ist nicht automatisch umfassend. Eine hohe Vormiete muss nicht immer alles rechtfertigen. Und nicht jeder Hinweis im Vertrag bedeutet, dass die Mietpreisbremse ausgeschlossen ist.
Wenn Sie unsicher sind, ob die Begründung Ihres Vermieters trägt, kann eine rechtliche Prüfung Klarheit schaffen. Dr. Thomas Schulte, Rechtsanwalt für Miet-, Immobilien- und Verbraucherschutzrecht, prüft als Vertrauensanwalt von RentAid, ob die gesetzlichen Voraussetzungen tatsächlich vorliegen.
Lassen Sie prüfen, ob die behauptete Ausnahme wirklich hält.
Dr. Thomas Schulte – Rechtsanwalt
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