Nassim König - Wirbelsäulen-OP - Wann eine zweite Meinung wichtig wird

Wirbelsäulen-OP: Wann eine zweite Meinung wichtig wird

Dr. med. Nassim König über MRT-Befunde, Vertrauen, Operationsindikationen und die schwierige Kunst, weder zu früh noch zu spät zu handeln

Es ist ein Satz, der Menschen den Boden unter den Füßen wegziehen kann: „Wir sollten über eine Operation sprechen.“ Bis zu diesem Moment war da vielleicht „nur“ der Rückenschmerz. Dann kamen ausstrahlende Schmerzen ins Bein, Taubheitsgefühle, eine immer kürzere Gehstrecke oder eine Schwäche, die plötzlich nicht mehr zu übersehen war. Physiotherapie wurde versucht, Medikamente eingenommen, ein MRT angefertigt. Schließlich liegt das Bild auf dem Monitor, der Befund auf dem Tisch und aus einem gesundheitlichen Problem wird eine Entscheidung, die viele Betroffene als existenziell empfinden.

Soll ich mich wirklich an der Wirbelsäule operieren lassen? Oder sollte ich warten? Was geschieht, wenn ich mich falsch entscheide? Genau in diesem Spannungsfeld arbeitet Dr. med. Nassim König. Der Facharzt für Neurochirurgie ist seit September 2026 Chefarzt und geschäftsführender Arzt der Bandscheibenklinik und Bandscheibenpraxis Gensingen. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt auf degenerativen Erkrankungen der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule, auf Zweitmeinungen und auf der Prüfung von Operationsindikationen. Er formuliert den Ansatz mit zwei bemerkenswert nüchternen Sätzen: „Einordnung statt Schnellurteil“ und „Die richtige Therapie beginnt mit der richtigen Frage.“

Gerade für Patientinnen und Patienten im Raum Mainz ist diese Haltung relevant. Mainz ist längst ein etablierter Standort spezialisierter Wirbelsäulenmedizin. Das MVZ Bandscheibenpraxis verfügt neben Gensingen auch über einen Standort in Mainz. Dr. Nassim Königs beruflicher Werdegang führte ihn als  Oberarzt für Neurotraumatologie und Wirbelsäulenchirurgie ans Marienhausklinikum Mainz; seine heutige chefärztliche Verantwortung liegt in Gensingen und verbindet damit Gensingen, Mainz und Rheinhessen.

Wenn Angst nach einer eindeutigen Antwort verlangt

Die Schwierigkeit beginnt damit, dass Patienten häufig eine klare Antwort erwarten: Operation ja oder nein. Medizin funktioniert jedoch selten wie eine Abstimmung. Ein zweiter Arzt, der einer Operation widerspricht, muss nicht automatisch richtiger liegen als der erste. Ebenso wenig bestätigt eine übereinstimmende Zweitmeinung automatisch, dass der Eingriff im individuellen Fall den gewünschten Verlauf nehmen wird. Die Aufgabe einer zweiten Einschätzung besteht zunächst darin, die Entscheidungsgrundlage zu überprüfen.

Passt die sichtbare Veränderung tatsächlich zu den Beschwerden? Gibt es einen neurologischen Ausfall? Ist er stabil oder nimmt er zu? Was wurde konservativ bereits versucht? Welche Konsequenzen kann weiteres Abwarten haben? Was genau soll eine Operation verbessern? Dr. König erläutert: „Eine Beschwerdesymptomatik entsteht selten aus einem Einzelbefund. Entscheidend ist, ob Beschwerden, klinischer Befund und Bildgebung zusammenpassen.“ Der Satz ist unspektakulär, aber gerade deshalb ist er wichtig. Denn ein spektakuläres MRT-Bild kann einen Menschen emotional stärker beeinflussen als die klinische Realität.

61,3 Prozent: Wenn Rückenschmerz fast zum Normalzustand wird

Wie groß die Herausforderung ist, zeigen die Zahlen. In der deutschen BURDEN-Studie des Robert Koch-Instituts berichteten 61,3 Prozent der Erwachsenen, innerhalb der vergangenen zwölf Monate Rückenschmerzen erlebt zu haben. 15,5 Prozent gaben chronische Rückenschmerzen an. Schmerzen im unteren Rücken waren etwa doppelt so häufig wie Beschwerden im oberen Rücken. Grundlage war eine repräsentative Befragung von 5.009 Erwachsenen. International ist die Dimension noch größer. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation lebten 2020 rund 619 Millionen Menschen mit Schmerzen im unteren Rücken. Bis 2050 werden etwa 843 Millionen erwartet. Low-Back-Pain gilt weltweit als führende Ursache gesundheitlich bedingter Einschränkungen. Zugleich sind rund 90 Prozent dieser Beschwerden unspezifisch, lassen sich also nicht eindeutig auf eine einzige strukturelle Ursache zurückführen.

Diese Zahlen sind wichtig, weil sie eine verbreitete Gleichung infrage stellen: Rückenschmerz plus MRT-Veränderung ergibt nicht automatisch Operationsindikation. Wäre jeder sichtbare degenerative Befund operationsbedürftig, würde eine alternde Gesellschaft vor einem kaum lösbaren medizinischen Problem stehen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Was ist im MRT zu sehen? Sondern: Was davon ist für diesen Menschen klinisch relevant?“

Dr Nassim König - MRT Bild und Therapie

Deutschland hat die Zweitmeinung bei Wirbelsäuleneingriffen bewusst aufgewertet

Dass Unsicherheit vor einer Wirbelsäulenoperation kein individuelles Randproblem ist, zeigt auch der Gesetzgeber. Für bestimmte planbare Eingriffe an der Wirbelsäule besteht in Deutschland ein gesetzlich geregelter Anspruch auf eine unabhängige zweite Meinung. Der Gemeinsame Bundesausschuss nennt Eingriffe an der Wirbelsäule ausdrücklich unter den Verfahren, bei denen gesetzlich Versicherte eine Zweitmeinung nutzen können. Dabei können Notwendigkeit und Alternativen eines geplanten Eingriffs mit einem entsprechend qualifizierten Arzt besprochen werden. Das Verfahren bedeutet jedoch nicht, dass Operationen grundsätzlich verdächtig wären.

Eine im April 2026 veröffentlichte Arbeit in der Fachzeitschrift „Ethik in der Medizin“ untersucht genau dieses Spannungsfeld. Sie diskutiert Zweitmeinungen zwischen Patientensicherheit, möglicher Übertherapie und Vertrauen in die Arzt-Patient-Beziehung. Die Autorin kommt zu einem differenzierten Schluss: Eine freiwillige zweite Meinung kann Vertrauen und Selbstbestimmung fördern; eine gesetzliche Pflicht zur Zweitmeinung könnte dagegen das Vertrauensverhältnis selbst beschädigen.

Das ist ein interessanter Perspektivwechsel. Mehr Medizin ist nicht automatisch bessere Medizin. Aber mehr Kontrolle ist es ebenfalls nicht automatisch.

Was passiert, wenn zwei Ärzte widersprechen?

Für Patienten ist genau das häufig die größte Angst. Der erste Arzt sagt: „operieren“. Der zweite sagt: „Warten.“ Und nun? Die vermeintliche Sicherheit der Zweitmeinung hat plötzlich neue Unsicherheit geschaffen.

Aus Sicht von Dr. Nassim König ist das kein Beweis dafür, dass die Zweitmeinung gescheitert ist. Es zwingt vielmehr dazu, die Argumente sichtbar zu machen. Entscheidend wird, welche Empfehlung sich anhand von Symptomen, neurologischem Befund, Bildgebung, Verlauf und Behandlungsalternativen nachvollziehbarer begründen lässt. Ein Patient sollte deshalb nach einem solchen Gespräch nicht nur einen neuen Satz hören, sondern verstehen können, warum die Empfehlung ausgesprochen wurde. Das ist Shared Decision Making im eigentlichen Sinne: Nicht der Patient soll plötzlich selbst Neurochirurg sein. Er soll aber nachvollziehen können, worüber er entscheidet.

Die zweite Meinung kann auch lauten: „Die Operation ist nachvollziehbar“

Gerade im öffentlichen Diskurs entsteht schnell der Eindruck, eine erfolgreiche Zweitmeinung sei eine verhinderte Operation. Diese Logik ist gefährlich. Neue oder zunehmende Lähmungserscheinungen, bestimmte Rückenmarksschädigungen oder akute Störungen von Blase und Darm können Situationen darstellen, in denen weiteres Abwarten erhebliche Risiken birgt. Dr. König weist ausdrücklich darauf hin, dass akute Lähmungen, Blasen- oder Mastdarmstörungen sowie rasch zunehmende neurologische Ausfälle unverzüglich in einer Notaufnahme abgeklärt werden müssen. Eine zweite fachliche Einschätzung kann deshalb genauso gut zu dem Ergebnis kommen, dass eine operative Empfehlung medizinisch plausibel oder dringlich ist. Ihr Wert besteht nicht darin, eine bestimmte Therapie zu verhindern. Ihr Wert liegt darin, eine Entscheidung besser zu verstehen.

Die schwierigste Operation beginnt lange vor dem Hautschnitt

In der modernen Wirbelsäulenchirurgie wird viel über Technik gesprochen. Über Mikroskopie, Endoskopie, Navigation und möglichst gewebeschonende Zugänge. Das ist medizinisch wichtig. Doch der technisch perfekte Eingriff kann die falsche Behandlung sein, wenn die Indikation nicht stimmt. Umgekehrt kann die übermäßige Angst vor einer Operation ebenfalls schaden, wenn eine fortschreitende neurologische Schädigung unbehandelt bleibt.

Genau darin liegt die anspruchsvollste Perspektive: konservative und operative Medizin nicht als Gegner zu betrachten.

Dr. Nassim Königs beruflicher Weg ist dafür ungewöhnlich passend. Von 2005 bis 2008 absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Physiotherapeuten und arbeitete anschließend selbstständig in diesem Beruf. Danach studierte er Humanmedizin, absolvierte seine Facharztausbildung für Neurochirurgie an den Universitätskliniken Kiel, Münster und Oldenburg, arbeitete als Oberarzt für Wirbelsäulenchirurgie und trägt seit September 2026 chefärztliche Verantwortung in Gensingen. Dieser Weg verbindet zwei Fragen. Was kann Bewegung leisten? Und wann reicht Bewegung nicht mehr aus?

Mainz und Rheinhessen: Spezialisierung ist längst vorhanden

Im Raum Mainz haben sich mehrere spezialisierte Einrichtungen und Ärzte im Bereich der Wirbelsäulenmedizin etabliert. Für Patientinnen und Patienten ist das grundsätzlich ein Vorteil, weil unterschiedliche fachliche Einschätzungen erreichbar sind.

Gerade deshalb kann Dr. Königs Profil nicht darin bestehen, eine vermeintliche Alleinstellung oder Überlegenheit gegenüber anderen Spezialisten zu behaupten. Seine Positionierung liegt in einem anderen Bereich: in der nachvollziehbaren Verknüpfung von neurologischem Befund, Funktion, Bildgebung und Indikation. Das entspricht auch dem Ziel seiner Sprechstunde. Auf seiner Website nennt er ausdrücklich Patienten mit degenerativen Veränderungen von klinischer Relevanz, unklarer Operationsindikation, neurologischen Defiziten, therapieresistenten radikulären Beschwerden oder dem Wunsch nach einer neurochirurgischen Zweitmeinung. Damit wird eine Gruppe angesprochen, die im medizinischen Alltag besonders verunsichert ist: Menschen, die bereits viel wissen, aber noch nicht wissen, was dieses Wissen für sie bedeutet.

Vielleicht ist die wichtigste Frage nicht „Wer hat recht?“

Wer vor einer Wirbelsäulenoperation steht, möchte Sicherheit. Die Medizin kann diese Sicherheit jedoch nur begrenzt liefern. Kein seriöser Arzt kann garantieren, dass eine konservative Behandlung einen Eingriff dauerhaft vermeidet. Ebenso wenig kann versprochen werden, dass eine Operation vollständige Schmerzfreiheit oder eine komplette neurologische Erholung bringt. § 3 des Heilmittelwerbegesetzes untersagt gerade den falschen Eindruck, ein therapeutischer Erfolg könne mit Sicherheit erwartet werden.

Hoffnung muss deshalb anders entstehen. Nicht durch Versprechen, sondern durch Verständnis. Vielleicht ist die entscheidende Frage bei einer Zweitmeinung deshalb nicht: „Welcher Arzt hat recht?“ Sondern: „Welche Empfehlung lässt sich angesichts meines Befundes, meiner neurologischen Funktion, meines Alltags und meiner persönlichen Risiken am besten begründen?“ Genau dort beginnt Medizin auf Augenhöhe. Und vielleicht ist es das, was Dr. König mit seinem Satz meint: „Die richtige Therapie beginnt mit der richtigen Frage.“

Medizinischer Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich dem allgemeinen Wissenstransfer und ersetzt keine persönliche Untersuchung oder individuelle ärztliche Therapieentscheidung. Bei neu auftretenden oder zunehmenden Lähmungen, Störungen der Blasen- oder Darmfunktion, Taubheitsgefühlen im Sattelbereich oder rasch fortschreitenden neurologischen Symptomen ist eine unverzügliche ärztliche Abklärung erforderlich.

Autor: Moritz Bausch, operationstechnischer Assistent und medizinischer Blogger

Kontakt

Dr. med. Nassim König
Neurochirurgische Wirbelsäulensprechstunde Gensingen
Bandscheibenklinik Gensingen
MVZ Bandscheibenpraxis Gensingen
Alzeyer Straße 23
55457 Gensingen 

Telefon: 06727 933 939
E-Mail: kreuzkoenig.dr@gmail.com
Web: https://www.kreuzkoenig.com

Über Wirbelsäulenchirurg Dr. Nassim König:

Dr. med. Nassim König ist Facharzt für Neurochirurgie mit Schwerpunkt Wirbelsäulenchirurgie. Sein Fokus liegt auf der Diagnostik und Behandlung degenerativer Erkrankungen der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule, insbesondere Bandscheibenvorfällen, Spinalkanalstenosen, Wirbelgleiten und degenerativen Skoliosen. In seiner Wirbelsäulensprechstunde in Mainz stehen die sorgfältige Prüfung der Operationsindikation, neurochirurgische Zweitmeinungen sowie die Abstimmung konservativer und operativer Behandlungsmöglichkeiten im Mittelpunkt.

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